It's
about music!
Die sympathische Londoner DJ Brenda Russell traf
sich mit Rosa Reitsamer zu einem Gespräch über musikalische
Kategorien, DJs und den Einfluss der Medien auf Musikszenen.
Spielst du Techno?
Die Leute versuchen immer mich einzuordnen, aber ich bin nicht nur eine
Techno-DJ, obwohl ich meistens für Techno-Parties gebucht werde.
Ich spiele auch sehr viel House, aber trotzdem ordnen sie mich unter dem
Label Techno ein und behaupten, dass ich Techno-Einflüsse hätte.
Ich denke, dass Problem ist, dass die Presse oder auch die Promoter dich
in eine Kategorie stecken müssen, damit es einfacher für sie
wird. Aber ich spiele Tanzmusik und nicht nur Techno. Leute fragen mich
immer wieder, warum ich ein Techno-DJ bin, aber sie bedenken nicht, dass
ich seit mehr als zwölf Jahren auflege und als ich begonnen habe,
habe ich nicht Techno gespielt. Es war eine persönliche Entwicklung
von Hard Core über House und Acid bis zu Techno. Die Leute haben
mich erst kennengelernt als ich begonnen habe, Techno zu spielen und dann
haben sie mich so eingeordnet. Aber ich habe noch immer meine Wurzeln,
und ich liebe House.
Wie hast du begonnen?
Mein Bruder hatte Plattenspieler und wir haben herum gespielt. Ich habe
ein Mix-Tape aufge-nommen und an eine Radio-Station
geschickt, die mir eine Show angeboten haben. Ich habe immer mehr Leute
kennengelernt, denen ich Kassetten von mir gegeben habe und dadurch wurde
ich auch mehr gebucht. Am Anfang war es nur ein Hobby, eine Nebenbeschäftigung,
aber bald nahmen die Bookings zu und heute kann ich davon leben.
Wie wichtig ist der
DJ im Club?
Ich bringe die Leute zum Tanzen und das macht sie glücklich. Aber
ich bin nicht die einzige Person, die das machen kann. Jede/r kann das.
Wenn ich allerdings zu einem Life-Konzert gehe und sehe, wie jemand Saxophone
oder Schlagzeug spielt, dann denke ich, das ist wirklich außergewöhnlich.
Das kann interessanter sein als hinter den Turntables zu stehen und Platten
abzuspielen. Die Platten-produktionen sind nicht von mir, sie sind lediglich
ein Ausdruck von mir. Die Musik, die ich spiele, haben Leute mit Maschinen
und Computern gemachte ... und dann gibt es noch die Life-MusikerInnen.
Ich liebe das Life-Element und ich liebe es auf Konzerte zu gehen, um
Jazz, Soul und HipHop zu hören.
Du hast ein eigenes
Label - on_test.
Wie wählst du die Releases aus?
Es ist meine persönliche Meinung. Ich höre mir die Demos an
und wenn ich Elemente finde, die ein Ausdruck von mir sein könnten
und ich die Platte in einem Club spiele würde, dann veröffentliche
ich sie. Das ist das einzige Kriterium zur Auswahl von Releases auf "on_test".
Wenn die Leute die Releases von "on_test"
und mich als DJ im Club hören und diese beiden Sachen zusammenbringen,
dann wissen sie, wer Brenda Russell ist.
Wie ist das Verhältnis
der englischen Presse zur Techno-Szene?
In England wird die Techno-Szene von der Presse nicht unterstützt.
Ich mache meine Sachen und die Musikindustrie ist ohnehin eine Netzwerkindustrie.
Die Presse geht nach Gesichtern und schreibt über DJs, dass sie gerade
neue Tracks veröffentlichen, die alle kennen sollten, aber dass heißt
noch lange nicht, dass jemand ein guter DJ ist. Es gibt viele DJs, die
jede Woche ihr Ding machen und keine Unterstützung von der Presse
brauchen. Sie haben die Unterstützung der Leute und das ist das Wichtigste.
Das hat jetzt nichts mit mangelndem Respekt gegenüber der Presse
zu tun, denn wenn mich eine/r interviewen will, freue ich mich. Aber das
wichtigste für mich ist, dass ich Musik für die Leute spiele,
denn sie unterstützen mich und kommen in die Clubs. Außerdem
kommt es immer darauf an, wer mich interviewt. Ich bekomme manchmal Fragen
gestellt, wo ich mir denke, dass sie einfach gestrichen werden sollten.
Die JournalistInnen lesen oft nicht einmal meine Biografie. Manchmal kommt
es auch vor, dass Leute ein kleines Moment aus meiner Arbeit herausgreifen
und auf dem herumreiten. Zum Beispiel habe ich vor fünf Jahren bei
einer Promotionfirma gearbeitet, wo ich ein Album von Carl Cox promoted
habe. Seit damals fragen mich JournalistInnen immer wieder nach Carl Cox.
Wie er ist und was er macht. Das ist ein Grund, dass ich manchmal ein
wenig ärgerlich werde. Wollen sie mich interviewen oder Carl? Warum
fragen sie mich nicht über mein Record-Label? Und viele sagen: Oh,
du hast ein Label? Ja, das steht am Ende meiner Biografie. (lacht)