Interessante
Klänge
.. präsentiert Ellen Alien aus Berlin
nicht nur auf ihrem Label Bpitch Control
Wie bist du DJ geworden?
Ich habe 1992/93 eine Akrobatikausbildung gemacht habe und um die Ecke
von der Tanzschule gab es eine Szene, die sich Fischlabor nannte.
Das war damals einer der wichtigsten Punkte in Berlin. Dort haben jeden
Tag DJs Jazz, Elektro, Hip Hop und House aufgelegt und die ganze Musikszene
traf sich in dem Lokal. So einen markanten Punkt gibt es heute nicht mehr
in Berlin. Ich habe dann bei einem Freund ein Tape gemixt, nicht unter
dem Vorwand des DJing, sondern just for fun und eigentlich für
meine Arbeit. Bald darauf wurde ich eingeladen, im Fischlabor aufzulegen,
weil sie mein Tape gehört haben. Dann hat mich Kid Paul gefragt,
ob ich im Plattenladen Delirium arbeiten will. Ich wurde zu Interviews
eingeladen und es ging relativ schnell, dass ich auch in Clubs gespielt
habe. Das war erst mal ein bisschen komisch, weil außer Marusha
nur Männer da waren. Ich bekam immer mehr Gigs und wenig später
produzierte ich meine erste Platte, die ein Hit wurde.
Dein erstes Label war
Braincandy. Wieso gibt es das nicht mehr?
Auf meinem Label Braincandy sind sehr abstrakte elektronische Sachen
erschienen. Ein Label zu machen, bedeutet auch wirtschaftlich damit umzugehen
und zu wissen wie viel Stück von einer Platte produziert werden oder
auch mit welchem Vertrieb man zusammenarbeitet. Ich habe mir alles durch
learning by doing beigebracht. Außerdem musst du als Frau
in einer Männerdomäne lernen, ihre Sprache zu sprechen, um Informationen
zu bekommen. Das war so anstrengend, dass ich keine Lust mehr hatte. (lacht)
Ich habe dann nur noch gedjt und bin oft Montags noch mit einer Masse
von Menschen in meiner Wohnung gelandet. Das war die Endphase meines Labels
Braincandy.
1996 hat das E-Werk geschlossen und ich habe begonnen, Veranstaltungen
zu organisieren.
Dadurch hat sich auch der Name Bpitch Control,
der Name von meinem neuen Label, etabliert. Ich habe mich nämlich
gefragt, wie ich es machen könnte, dass die Musik und die Cluberlebnisse
in Erinnerung bleiben. Und da gibt's nichts anderes als ein Label. Und
so habe ich mit der Arbeit für Bpitch Control begonnen.
Welche Labelphilosophie
hat Bpitch
Control?
Ich mag es, wenn Menschen für sich stehen und das ein bisschen unterstrichen
werden kann, indem ihnen Arbeit abgenommen oder viel mit ihnen geredet
wird und sich über die Musik austauscht. Das ist besser als zu sagen:
"Hey, du musst jetzt genauso klingen wie ich!" Es gibt viele
Labels, wo alle Platten so klingen wie der Main-DJ oder der Hauptakt des
Labels. Ich versuche auf meinem Label den Sound zu mischen, damit nicht
ein Stil entsteht. Es soll elektronisch sein, aber nicht unbedingt Techno,
House, Elektro oder Slow-Beat.
Für mich ist der Mensch, der die Musik produziert, sehr wichtig.
Es gab auch schon Musik, die mir gefallen hat und wo mir der Mensch suspekt
war. Und natürlich muss der Track was mit mir machen, dass ich das
Gefühl habe, den gab es so noch nicht. Dabei kam auch schon Gesang
mit Gitarre raus. Es war von Anfang an so, dass ich keine großen
Namen haben wollte. Ich finde es spannender, jemanden zu entdecken.
Interview: Rosa Reitsamer